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Los geht's

Im Zeitalter des Homo Digitalis

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Homo Digitalis

Erst formen wir unsere Technologien, dann formen sie uns. Je tiefer die Digitalisierung unser Leben durchdringt, umso mehr verlangt sie veränderte Fähigkeiten von uns. Als Homo Digitalis werden wir ganz neue Möglichkeiten erhalten, aber auch Kompetenzen brauchen, die unser analoger Vorfahr nicht benötigte. Diese Zukunft, die mit ihrer Technologie auch den Mensch verändert, hat bereits begonnen. Wo und wie dies geschieht, sehen wir uns anhand von sechs Beispielen genauer an.
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Epilog

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Wie aber soll man im Zeitalter digitaler Beschleunigung noch Ruhe finden? Digitalunternehmer Albers empfiehlt, gezielt den „analogen Muskel“ zu trainieren. Zum Beispiel, indem wir mit Freunden einen Tag lang ohne jede digitale Ablenkung einen Stadtteil erkunden. Indem wir unsere Phantasie mit Kunst, Literatur und Musik lebendig erhalten. Indem wir das Handy (in Zukunft: die Datenbrille oder vergleichbare Gadgets) zur Seite legen und für die Familie kochen. Indem wir die ungewohnte Langeweile aushalten, die beim Träumen und Nachdenken entsteht.

Das wird umso wichtiger, als sich der digitale Fortschritt weiter beschleunigen dürfte. Veränderungen um uns herum werden in immer schnellerer Abfolge auftreten, weil die Algorithmen, die sie entwickeln, immer besser werden.
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sagt der britische Wissenschaftspädagoge Mark Stevenson. „Wir denken immer noch linear, während die technologische Entwicklung sich exponentiell vollzieht.“

Während wir noch gebannt auf die nähere Zukunft starren und ihre technologischen Neuerungen zu verstehen suchen, überholt uns die fernere bereits mit Vollgas links und rechts. Das muss nicht schlecht sein, man muss es nur wissen.

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Sehen

Was wir brauchen: Flexibilität und Multitaskingfähigkeit
Was wir gewinnen: Eine tiefere und zugleich individuellere Sicht auf unsere Welt (oder was wir dafür halten)
Was wir verlieren: Das gewohnte Verständnis für die Zusammenhänge unserer Welt (oder was wir dafür halten)
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Markus Albers verkauft seinen Kunden Digitalisierung. Genauer: Der Berliner Autor und Unternehmer berät mit seiner Agentur rethink Firmen beim Übergang von ihrer analogen Vergangenheit in die digitale Zukunft. Albers hat also mit Menschen zu tun, die den ganzen Tag auf Bildschirme starren: größere auf ihren Schreibtischen, kleinere in ihren Taschen. Und genau das, prophezeit der 50-Jährige, werde bald der Vergangenheit angehören. Denn von Facebook bis Microsoft investieren derzeit alle großen Technologiekonzerne kräftig in Geräte, die uns als vermutlich sprachgesteuerte Digitalassistenten ständig begleiten werden. Und nach Fehlversuchen wie Google Glass werden diese Gadgets zusehends besser.
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Während wir einkaufen, arbeiten, durch die Straßen einer Stadt laufen oder im Auto unterwegs sind, wird uns der Rechner permanent nützliche, interessante, vielleicht sogar lebenswichtige Informationen zuspielen, und das nonstop und in hoher Qualität.
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Niemand braucht mehr seinen „Rechner hochzufahren“, um ein Arbeitsdokument zu prüfen – er hat es ja direkt vor Augen. Niemand wird mehr mit angestrengtem Blick aufs Smartphone seinen Weg durch eine Stadt suchen müssen – seine Datenbrille zeigt ihm die Route automatisch an. Es ist alles verfügbar, in Echtzeit und individuell auf jeden Nutzer zugeschnitten.

Das bedeutet aber auch: Wir verwandeln uns in eine Familie, die gemeinsam im Wohnzimmer Fernsehen schaut, wobei jeder auf seinen eigenen Bildschirm und das persönlich auf ihn zugeschnittene Programm starrt. Die gute Nachricht lautet: Jeder sieht künftig nur noch, was ihm gefällt. Die schlechte: Jeder sieht tatsächlich nur noch, was ihm gefällt – und hält zwangsläufig das, was ihm vorgespielt wird, früher oder später für die Realität. Mixed Reality, warnt Albers, könne dazu führen, dass sich Einzelne eine „zunehmend individuelle und immer weniger anschlussfähige Welt bauen und das Bedürfnis nach einer intersubjektiv überprüfbaren gemeinsamen Realität verloren geht.“
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Vor allem aber: In diesem maßgeschneiderten Programm wird es nie einen Sendeschluss geben. Über das, was dann passiert, hat Albers ein ganzes Buch verfasst: Es heißt „Digitale Erschöpfung“ und widmet sich dem Phänomen, dass uns das Nonstop-Angebot unserer digitalen Gadgets zusehends auslaugt. Denn wenngleich Algorithmen permanent und in hoher Geschwindigkeit Daten verarbeiten können: Wir Menschen können es nicht.
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Entscheiden

Was wir brauchen: Skepsis
Was wir gewinnen: Zeit und die Freiheit, Maschinen für uns entscheiden zu lassen (weil wir lernen, dass ihre Entscheidungen häufig besser sind als unsere)
Was wir verlieren: Die Fähigkeit, selbst Entscheidungen zu treffen
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Jan-Niklas Keltsch kehrt gerade von einem bemerkenswerten Vortragsabend bei der Cambridge Union Society zurück. Der 1815 gegründete Debattierclub der Universität Cambridge gilt als der älteste seiner Art; in dem ehrwürdigen Backsteinbau haben schon Geistesgrößen wie Winston Churchill, Theodore Roosevelt und Stephen Hawking vor Studenten gesprochen. Keltsch war hier bei einem Vortragsabend zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) zu Gast, in dem der Eröffnungsredner einige Vor- und Nachteile der Technologie erwähnte, Argumente und Gegenargumente sorgsam abwog und die Zuhörer auf eine Reise in eine Zukunft mitnahm, in der Maschinen immer mehr Entscheidungen für uns treffen werden.

Auf Jan-Niklas Keltsch, der in Cambridge einige Jahre Technology Management studiert hatte, wirkte der Vortrag „absolut überzeugend“.
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Und sie tat es perfekt. „Abgesehen von ihrer leicht artifiziellen Betonung und der Tatsache, dass die Worte nicht aus einer menschlichen Lunge, sondern aus einem Verstärker kamen, war kein Unterschied zu einem menschlichen Redner festzustellen“, sagt Keltsch.


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Für den Hamburger Wirtschaftsingenieur und Start-up-Unternehmer gehören solche Augenöffner-Effekte zum Alltag. Keltsch hat bei dem Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte die sogenannte Cognitive Services Platform mit aufgebaut, die auf KI-Anwendungen in der Geschäftswelt spezialisiert ist. Dabei kommt Künstliche Intelligenz immer häufiger sogar im Kernbereich unternehmerischen Handelns zum Einsatz, nämlich bei der Bestimmung der Unternehmensstrategie. KI-Werkzeuge unterstützen Keltschs Klienten unter anderem bei der Beobachtung von Märkten und Verbraucherverhalten, bei der Auswertung technologischer Trends, bei der Analyse von Patenten und Einordnung von Postings und Nachrichten – all jenen Parametern, die Unternehmer für ihre Strategiedefinition brauchen. Und im Unterschied zu humanen Mitarbeitern tut sie dies rund um die Uhr und in einer blitzartigen Geschwindigkeit.
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Absehbar ist jedoch: Je mehr wir lernen, der Auswahl von Big-Data-Algorithmen zu vertrauen, umso mehr werden wir Stück für Stück die Fähigkeit verlieren, selbst Entscheidungen zu treffen.

Klingt weit hergeholt? Nun, etwas Ähnliches haben wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits erlebt. Rund zwei Milliarden Menschen haben in dieser Zeit weitgehend verlernt, selbst nach relevanten Informationen zu suchen. Wer heute Informationen braucht, begibt sich nicht mehr selbst auf die Suche, sondern direkt ins Google-Suchfenster. Sogar die höchst sensible Entscheidung, welche Informationen für uns denn relevant und/oder vertrauenswürdig sind, überlassen wir heute ebenso selbstverständlich wie gedankenlos den von Google-Entwicklern programmierten Algorithmen. Und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass dies bei anderen wichtigen Entscheidungen anders sein könnte.
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Sich-Verstehen

Was wir brauchen: Eine flexible Persönlichkeit, die sich unseren Versionen vom Ich – in der analogen wie in der digitalen Welt – anpasst
Was wir gewinnen: Zahlreiche Gelegenheiten, unterschiedliche Rollen unserer selbst zu kreieren und auszufüllen – und das in rasend schneller Abfolge
Was wir verlieren: Uns selbst. Genauer: das, was wir zu sein glaubten
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Werden Computer jemals so intelligent sein wie wir Menschen?

„Ja, aber nur für kurze Zeit“, lautet die originelle Antwort, die der Autor Vernor Vinge auf diese Frage gegeben hat. Und vermutlich hat er recht. (Die durchaus sinnvolle Diskussion, was „Denken“ und „Intelligenz“ denn meint, lassen wir hier einmal außen vor). Denn mit jeder Generation von Rechnern und Sensoren wächst die Intelligenz der Computer, während der Vorrat an Fähigkeiten, die wir exklusiv dem Menschen vorbehalten wähnten, zwangsläufig schrumpft.

Wenn Algorithmen aber früher oder später intelligenter sind als wir: Welche Rolle bleibt dann noch für den Menschen? Bisher hielten wir uns für den klügsten, reflektiertesten und intellektuellsten Bewohner dieses Planeten. Auf welche Rolle ziehen wir uns zurück, wenn Maschinen schneller denken als wir?
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„In der digitalen Welt, in den sozialen Medien erschafft jeder eine künstliche Figur“, sagt Charlie Brooker, Autor der preisgekrönten Netflix-Serie „Black Mirror“, die unsere nähere und fernere Digitalzukunft inszeniert und deren Serientitel sich auf die spiegelnde Oberfläche unserer Computer und Handys bezieht. „Ich bastele mir eine besondere Kopie meiner selbst, die ich kuratiere. Wenn man die Menschen dann in der echten Welt trifft, sind sie ganz anders.“
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Uns als Spezies stellen die explodierenden Fähigkeiten der von uns erfundenen Maschinen vor eine echte Herausforderung. „Wenn irgendwann einmal alles, was wir für Denken hielten, von Maschinen erledigt wird – was bleibt dann noch von uns?“ fragt der Journalist Christoph Kucklick, Autor des Zukunftsausblicks „Die granulare Gesellschaft“. „Auf welche Insel flüchten wir uns, wenn fremde Mächte den Kontinent des Denkens besetzen? Wo bauen wir eine neue Heimat, wenn wir aus unserem Hirn vertrieben werden?“

Kucklicks Schlussfolgerung: Genau so, wie wir im digitalen Zeitalter neue Institutionen benötigen, brauchen wir auch ein neues Selbstbild.
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Jan-Niklas Keltsch hingegen, der KI-Manager, sieht der Überkompetenz der Algorithmen gelassen entgegen. Maschinen seien doch heute bereits in vielem besser als wir – sie könnten fliegen, schneller rechnen und zuverlässiger Materialien sortieren als der Mensch. „All das haben wir längst akzeptiert. All das haben wir zu schätzen gelernt. Warum sollte dies bei kognitiven Prozessen anders sein?“
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Gesund bleiben

Was wir brauchen: Vertrauen in Technik und Datenschutz
Was wir gewinnen: Präzisere Diagnosen, wirksamere Therapien
Was wir verlieren: Uneingeschränktes Vertrauen in die Fähigkeiten unseres Arztes. Die Hoheit über unsere Körper- und Gesundheitsdaten.
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Ist es ein harmloser Leberfleck – oder schwarzer Hauptkrebs? Generationen von Hautärzten werden an Universitäten in der Beantwortung dieser Frage geschult, die für manchen Patienten überlebenswichtig sein kann. 157 Dermatologen von zwölf deutschen Universitätskliniken traten mit dieser Frage kürzlich gegen einen eigens programmierten Algorithmus an. In einer Studie des Krebsforschungszentrums Heidelberg sollten sie 100 Hautbilder daraufhin analysieren, ob es sich um Muttermale oder schwarzen Hautkrebs handelt – eine Erkrankung, die jedes Jahr allein in Deutschland 3.000 Menschenleben fordert. Die Software wurde mit derselben Aufgabe betraut.

Das Ergebnis war erschütternd eindeutig: Die Künstliche Intelligenz schlug die Fachärzte um Längen. Nur sieben der 157 Dermatologen analysierten das Hautbild besser als der Algorithmus. Zwar gehört zu einer Krebsdiagnose weit mehr als die reine Entscheidung Muttermal versus Hautkrebs, doch klar ist: Künstliche Intelligenz könnte uns künftig enorm dabei helfen, gesund zu bleiben (oder es wieder zu werden).
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Die Chancen, dass wir dadurch besser und effizienter behandelt würden, sind gigantisch. Allerdings stehen einem solchen Supermediziner massive Datenschutzbedenken und -bestimmungen entgegen. Selbst wenn Daten anonymisiert werden, möchten viele Menschen nicht, dass Informationen zu ihrem Lebenswandel, ihren Körperfunktionen und ihren Erkrankungen die Arztpraxis verlassen.
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Möglicherweise jedoch werden künftig zumindest manche von uns ihre Gesundheitsdaten ebenso freiwillig wie kontinuierlich weitergeben. Forscher der University of Illinois entwickeln biegsame Pflaster voller Sensoren, die die elektrische Aktivität des Herzens, Hautfeuchtigkeit, Körpertemperatur und UV-Strahlung messen. So genannte „BioStamps“ könnten ähnlich wie Fitbits künftig kontinuierlich gesundheitlich relevante Faktoren protokollieren und bei Abweichungen Alarm geben.

Klingt nach Zukunftsmusik? Nun, in Skandinavien trägt ein Viertel der Belegschaft des Reiseveranstalters TUI einen Dauerdatenträger nicht nur auf, sondern sogar unter der Haut. Permanent und freiwillig. Mehr als 110 Mitarbeiter haben sich einen Chip zwischen Daumen und Zeigefinger implantieren lassen, was, wie ein TUI-Kollege versichert, „keine große Sache“ sei. Dabei erfüllt das reiskorngroße Implantat für sie keine lebenswichtigen Aufgaben, sondern dient lediglich zur Identifikation seines Trägers. Die gechippten Mitarbeiter nutzen ihn unter anderem, um die Büro-Eingangstür zu öffnen, in der Kantine zu bezahlen oder ihr Fahrradschloss zu entsperren. Datenschutz? Scheint von dieser Warte aus Lichtjahre entfernt.
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Engagieren

Was wir brauchen: Nüchternheit im Umgang mit unseren individuellen Informationen (und der Tatsache, dass wir ihre Verbreitung nicht mehr kontrollieren können)
Was wir gewinnen: Entspanntheit und Souveränität
Was wir verlieren: Privatsphäre und Datensouveränität (bzw. das, was von ihr übrig ist)
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Der deutsche Datenschutz, in den 1970er-Jahren erfunden, hat sich überlebt. Ausgelegt war er auf den Schutz unserer individuellen Merkmale, wobei jede Verarbeitung personenbezogener Daten unsere vorherige Einwilligung erforderte. Dank Big Data aber lässt sich heute auch aus anonymen Daten sehr schnell und sehr genau nahezu jede Person identifizieren. Und mit jedem Service und jeder App, die wir herunterladen, akzeptieren wir jedes Mal Nutzungsbedingungen, die vollständig zu lesen und zu verstehen uns komplett überfordern würde.
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Auf diese Erkenntnis kann man mit Fatalismus („Wir werden sowieso alle durchleuchtet!“), mit Isolationismus (in Form einer ziemlich aussichtslosen und ziemlich einsam machenden digitalen Totaldiät) oder mit Pragmatismus reagieren.

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Der Blogger Michael Seemann („CTRL-Verlust“) gehört zu den Verfechtern eines radikalen digitalen Pragmatismus. „Es gibt keine Privatsphäre mehr, es gibt nur noch Verschlüsselung“, postuliert er in seinem 2014 erschienen Buch „Das neue Spiel – Strategien für die Welt nach dem digitalen Kontrollverlust“. „Die informationelle Selbstbestimmung, die dreißig Jahre zuvor mit so viel Verve und Pathos erstritten wurde, ist grundlegend zerstört. Und an den Gedanken haben wir uns Schritt für Schritt gewöhnt.“

Statt den längst verlorenen Kampf um Privatsphäre und Datenkontrolle weiterzuführen, sollten wir daher ganz pragmatisch mit der Tatsache der totalen Transparenz leben lernen. Ein radikales Beispiel bildet das „Post-Privacy“-Konzept des Netzaktivisten Christian Heller, der seinen Tagesablauf, seine Finanzen und viele seiner privatesten Informationen in einem öffentlich einsehbaren Wiki dokumentiert. Motto: Bevor meine Daten von irgendjemandem abgegriffen werden, publiziere ich sie lieber selbst.
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Ein solches antifragiles Modell hat Seemann auch für sein Buch selbst angewendet. „Das neue Spiel“ ist zwar käuflich über den Buchhandel zu beziehen; den Löwenanteil der Kosten für die Manuskripterstellung aber hat der Autor vorab per Crowdfunding eingesammelt und seinen Text im Netz gratis eingestellt. Ergebnis: Filesharing kann seinem Werk nichts mehr anhaben, weil es vorab bereits eingepreist ist.

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Arbeiten

Was wir brauchen: Kreativität, Kollaborationskompentenz und die Fähigkeit, abzuschalten
Was wir gewinnen: Intelligente Werkzeuge, die uns viele öde Arbeiten abnehmen und die verbleibende Arbeit auf ein neues Niveau heben
Was wir verlieren: Ruhe. Konzentration. Kontemplation
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Geht uns dank Digitalisierung die Arbeit aus? Manches deutet darauf hin. Algorithmen beantworten heute schon Kundenanfragen, analysieren Patentschriften und verfassen Artikel wie diesen (der allerdings noch von einem Humanoiden recherchiert und geschrieben wurde. Ehrlich!!). In absehbarer Zukunft werden sie nicht nur Autos, sondern auch Lkw fahren, Bewerbungen sichten und Mitarbeiter einstellen, unsere Steuerbescheide bearbeiten und Gerichtsurteile vorbereiten.

Mindestens ebenso bedeutsam wie der Verlust mancher Tätigkeiten an die Rechner ist der Einfluss, den die Intelligenz-Revolution auf die uns verbleibenden Aufgaben hat. Mit digitalen Werkzeugen als Kollegen sind im Arbeitsleben ganz andere Qualitäten gefragt als früher. Zusammenfassen lassen sie sich in drei Begriffen: Verantwortung, Achtsamkeit, Kollaboration.
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Naheliegend ist die höhere Verantwortung, die mit höherqualifizierten Tätigkeiten einhergeht. Während ein Mitarbeiter bei McDonalds im Durchschnitt für einen Umsatz von 60.000 US-Dollar im Jahr sorgt, verantwortet ein durchschnittlicher Google-Mitarbeiter gewaltige 1.000.000 US-Dollar an Jahresumsatz. Entsprechend höher ist der potentielle Schaden, den ein unachtsamer Mitarbeiter anrichten kann.

Am augenfälligsten aber ist die Notwendigkeit zur Kollaboration. Für das Computerspiel Grand Theft Auto V beispielsweise haben fünf Jahre lang mehr als 1.000 Designer, Autoren, Ingenieure und Programmierer zusammengearbeitet. Schon heute, erklärt Digitalagenturinhaber Markus Albers, verbrächten Wissensarbeiter rund 85 % ihrer Arbeitszeit mit kollaborativen Tätigkeiten, also dem Abarbeiten ihrer Mails, WhatsApp- oder Asana-Nachrichten. „Das ist eindeutig zu viel, denn damit gehen die Freiräume für Kontemplation und Konzentration verloren.“

Eine der wichtigsten Kompetenzen des Homo Digitalis könnte daher ironischerweise darin liegen, ein Stück weit analog zu bleiben.
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